14. Jahrhundert
- 14/1
- Der Eintrag im Görzer Urbar von um 1300 lautet: „Item in der Redel prope Gemundt habet dominus meus comes jus venaticum, de quo debent dari lb. 6.“ 1
- 14/2
- Wiessner gibt zu Frankau Urk. 14/f „Ortsteil von Lieserhofen“ 2 an. Im Franziszeischen Kataster oder anderweitig ist dazu aber nichts zu finden. Die Lage ist daher unbekannt.
- 14/3
- Im Regest der Schenkung Krafto von Leobeneggs in Urk. 14/g wird „Paetendorf“ mit Patendorf bei Paternion aufgelöst. Mir erscheint aber Pattendorf bei Möllbrücke wahrscheinlicher, da es näher liegt und wohl im Einflussbereich von Salzburg war.
- 14/4
- Von den Görzer Landgerichten gegen Malta und am Katschberg, die im Vergleich zwischen Görz und Salzburg 1292 Urk. 13/fb erwähnt werden, ist 1307 bei der Aufteilung Urk. 14/h Urk. 14/m nicht mehr die Rede, obwohl in Urk. 14/bt 1318 das Staller Gericht „bis auf den Katschberg“ als an die Grafen Heinrich und Meinhard von Graf Albrecht verpfändet aufscheint. Entweder die Landgerichte existierten nicht mehr oder sie waren nicht mehr im Besitz von Görz.
- 14/18
- Wiessner nennt in seinem Regest zu Urk. 14/z Herzog Heinrichs als Zeuge „Aelschwinus de Gemond“. Im vom Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, wo das Original aufbewahrt wird, angeforderten Digitalisat lese ich allerdings „Æschwin(us) de Cͤmona“. Es ist nicht ganz klar, ob der letzte Buchstabe nicht doch ein „d“ sein könnte. Es gibt da eine Schleife, die sich mit einem „q“ der vorigen Zeile überlappt. Der erste Buchstabe ist aber definitiv kein „G“. Daher wurde die Urkunde nicht angeführt, da sie keinen Bezug zum Lieser- und Maltatal aufweist.
- 14/19
- Mollat und De Lesquen geben in ihrem Regest zu Urk. 14/bv als Namen „Martino de Ginunda“ an und schreiben (übersetzt mit LLM-Unterstützung): „Dispens für Martin von Ginunda, Priester der Salzburger Diözese, der als Südalpenbewohner unwissentlich ohne Entlassungsschreiben von einem italienischen Bischof zu allen Weihen gefördert worden war, damit er in einen der anerkannten Ordensgemeinschaften eintreten und nach einem Jahr in den so empfangenen Weihen dienen kann.“ Nun kann „m“ auch leicht als „in“ gelesen werden. Interessant ist allerdings das Wort „citramontanus“, mit welchem eine Person „diesseits der Alpen“ (von Rom aus gesehen) bezeichnet wurde. Da auch angegeben wird, dass er aus der Diözese Salzburg stammte, die bis zur Drau reichte, bleibt für eine Person von einem Ort „diesseits der Alpen“ in der Diözese Salzburg mit Namen „Ginunda“ kaum eine Alternative zu Gmünd übrig.
- 14/5
- In Urk. 14/by zum Gütertausch zwischen Haintzl dem Zoucher und Millstatt ist die Rede von Niderzouch, zu dem Wiessner anmerkt: „bei Trebesing“. Allerdings ist ein solcher Ortsname mir weder bekannt noch im Kataster auffindbar. Es ist daher unbekannt, wo dieser Name zu verorten ist.
- 14/18
- Wiessner schreibt im Regest von Urk. 14/ck vom „Chreutsperg“, dem heutigen Plöckenpass. In der Urkunde ist die Tinte im Wort ein wenig verschmiert und daher ist der Teil zwischen „Ch“ und „sp“ nicht wirklich leserlich. Mir scheinen dort aber nur zwei Buchstaben statt drei hineinzupassen. Ich habe mich daher für den „Chætsperg“ entschieden.
- 14/6
- Der Flurname „Aspaltra“ in Gmünd bei der Lieser in Urk. 14/cm kann nicht genau zugeordnet werden. Da die Originalurkunde nicht vorhanden ist, ist auch die Originalschreibweise nicht bekannt.
- 14/7
- Die bauhistorische Untersuchung ergab bezüglich des Baualters des Kirchenkerns keinen eindeutigen Befund. 3 Die Autoren empfehlen eine Grabung in der Kirche im Bereich des Triumphbogens und Chores, um die Frage der Entstehung zu lösen. 4 Das Jahr 1339 ist jedenfalls nicht unplausibel, da die Stadtmauer an der Kirche auf 1320/60 datiert wird. 5 Bezüglich der Datierung von Urk. 14/cz schreiben Woldron und Wolfgang vom 3. März 1339 6 und zitieren dabei Broll, dieser selbst schreibt allerdings vom 9. März 1339. 7 Wiessner gibt die Datierung mit „IVo Idus Marcii MCCCXXXIXo“ 8 an, was dem 12. März entspricht (Idibus Martii = 15. März, Pridie Idus Martii = 14. März, III Idus Martii = 13. März, IV Idus Martii = 12. März).
- 14/8
- Die Gründungsgeschichte des Klosters Viktring Urk. 12/p beschreibt das Jahr 1142, entstand aber im 14. Jahrhundert durch Abt Johann von Viktring. 9 Jaksch setzt „Sunnenbergk“ mit Sonnberg nördlich von Gmünd gleich, übersieht dabei aber, dass Sonnberg nicht nahe des Flusses Malta liegt und dass es bei Malta Mauerreste einer „Sonnenburg“ gibt. 10 Während heute Sonnenburg eher mit den Mauerresten bei Feistritz nördlich von Malta assoziiert wird, spricht Megiser bei Sonnenburg („Sunnenberg“) eindeutig von der Burg Malta. 11 Auch Valvasor macht das , dieser könnte sich aufgrund der ähnlichen Formulierung allerdings auf Megiser beziehen. 12 Auch Kohla u. a. liefern 1973 Belege von frühen Kartografen warum Sonnenburg mit der Burg Malta gleichzusetzen sein sollte. Dort geben sie auch den Namen mit „Weidegg“ an und erwähnen eine Mauerdatierung auf das 11. bzw. 12. Jahrhundert. 13 Die Burg bei Feistritz wird nur in Sagen erwähnt, 14 deren Entstehungsdatum unbekannt ist.
- 14/9
- Broll und Wilscher und Wadl, aufgrund der ähnlichen Formulierung möglicherweise auf Broll beziehend, geben die Erhebung zur Stadt von Gmünd Urk. 14/dh durch Ortolf mit 1342 an. 15 16 Ortolf von Weißeneck war aber erst seit 1343 Erzbischof von Salzburg. 17
- 14/10
- Vergleiche dazu auch die Bestätigung der Rechte Friesachs durch Erzbischof Heinrich im Jahr 1339 in Urk. 14/db.
- 14/11
- Man ist versucht die „rote Awͤ“ in Urk. 14/dc im Maltatal zu suchen. Ein Blick in den Franziszeischen Kataster zeigt allerdings einen Hof Eichholzer und ein Aichholzerfeld oberhalb von Rottau in den heutigen Gemeinden Reißeck und Mühldorf. Das passt sehr gut zu „ob der roten Awͤ hinder dem Aichholcz“. Auch Pohl bringt Rottau mit einer roten Au in Verbindung. 18
- 14/12
- Berichte aus dem Lieser- und Maltatal sind nicht bekannt, aber das Erdbeben wurde wohl mindestens verspürt. Andreas von Regensburg schreibt unter Berufung auf Augenzeugen: „Anno domini 1300 und in dem 48. jar an sand Pauls tag, alz er bechert wart, do chom ein erdpidem überal in der werlt, aber besunderlich waz er ze Chärnten und in Chrain als groz, daz Villach dy stat, purchmaur, chloster und chirchen und all maur und turn uncz an 11 zinne auf di erde vielen …Und in Chrayen und in Charten niderviel Chelerberch [Kellerberg] dy vest und Arnolstain [Arnoldstein] und darzu 36 vest, und die perg vielen zesamme in die teler, das sich das wasser verswelt [anschwillt], das es verdirbt lant und läut und gut 10 meil lanch. …Und daz hat gesagt her Heinreich der Sterner, der die weil in der stat vervallen was, er und der Stokcher von Prag, und ir gesellen stürben vier pey in, und Hainrich Pawmburger.“ 19 Auch die Zisterzienser von Friesach berichten von dem Beben und dem Felssturz, der danach die Gail aufstaute und Dörfer überflutete. 20 Das Ausmaß der Zerstörung verdeutlicht auch Urk. 14/fw von 1380 (immerhin 34 Jahre später), wo der Bischof von Bamberg den Bürgern von Villach 3 Jahre Steuerfreiheit gewährt, damit diese die zerstörten Stadtmauern wieder aufbauen können.
- 14/13
- Die erstmals 1352 in Urk. 14/dr erwähnte Kirche St. Michael in Lieserhofen existiert heute nicht mehr.
- 14/14
- In Urk. 14/ds zum Kauf von Gütern im Land Salzburg wird ein Pfarrer zu „Poͤlan“ als Zeuge erwähnt. Andere Zeugen sind Salzburger Domherren, Pfarrer von Stall und Kuchl und andere Personen mit Bezug zu Salzburg. Am Ende des 12. Jahrunderts wird St. Peter im Katschtal wohl als „Kaetse“ bezeichnet. Urk. 12/z Allerdings taucht 1197 auch der Name „Polan“ bei der Burg „oberes Katsch“ auf. Dies wird in der Literatur eindeutig zu Pölla zugeordnet. Es ist daher möglich, dass auch 1352 das „Poͤlan“ mit Pölla aufzulösen ist. Die einzige Pfarrkirche dort ist aber St. Peter im Katschtal.
- 14/15
- Welches Pischolfsdorf in der, in Malta ausgestellten und im Pfarrarchiv von Malta aufbewahrten, Urk. 14/fg von 1369 gemeint war, ist unklar. Alle in der Urkunde genannten Personen scheinen Bezug zu Oberkärnten zu haben. In Oberkärnten gibt es aber kein Bischofs/Pischolfs/Pischeldorf. In Unterkärnten gibt es zwei und auch eines in der Steiermark. Es wäre seltsam, aber nicht unmöglich, dass ein verkauftes Gut so weit entfernt liegt. Alternativ könnte Hilpoldsdorf/Hilpersdorf im Maltatal gemeint sein, ob es sich dabei um einen Fehler in der Urkunde oder im Regest handelt, ist aber nicht klar, da mir das Original nicht bekannt ist.
- 14/16
- Urk. 14/fp, wo Nickel ob der Stainpruggen Äcker verpfändet, ist ohne Ortsangabe, aber aus dem Lieseregger Kopialbuch. Siegler ist der Ortenburger Richter, er dürfte also Ortenburger Untertan gewesen sein. Da das Ortenburger Gebiet bis zur Neuschitz reichte, ist das möglich. Es kann sich bei Nickel eigentlich nur um den heutigen Hof vulgo Steinbrugger handeln.
- 14/17
- Die aufgelisteten Orte in Urk. 14/fy, wo der Ortenburger Richter seine verliehenen Güter aufzählt, sind schwieriger zu lokalisieren, da die Angaben nicht wie üblich streng geografisch angegeben werden. Die Annahme, dass Orte wie „sand Peter“, „Oberndorf“ und „Aych“ nicht im Lieser- und Maltatal zu suchen sind, beruht darauf, dass Ortenburger Besitz nördlich von Gmünd wohl nur spärlich zu finden war. „Liserhofen“ ist eindeutig. Mit „Rennberg“ kann eigentlich nur Rennweg gemeint sein und es folgt darauf auch ein Ort im Lungau. St. Peter und „Christandorf“ werden zusammen genannt, diese sollten daher auch nahe beieinander liegen. St. Peter im Katschtal oder St. Peter in Holz fallen daher weg. Wahrscheinlich ist das Christan- oder Christiansdorf im heutigen Krieselsdorf zu suchen, das im Franziszeischen Kataster noch als „Krisesdorf“ bezeichnet wird. In der Nähe wäre St. Peter unter Spittal. Ich ordne das daher dort zu. Für „Oberndorf“ nehme ich Oberdorf bei Spittal an. „Aychholz“ wird wohl das heutige Aichforst sein. „Aich under Spittal“ ist explizit angegeben, Olsach, „Tangarn“ und „Oberemlach“ sind eindeutig. Bliebe noch das „Aych“, da „Aich under Spittal“ schon vergeben ist, wird es sich dabei um Oberaich bei Baldramsdorf handeln. „Aychach“ liegt in der Gemeinde Stockenboi westlich von Feistritz.
- 1Klebel, Ernst: Die Grafen von Görz als Landesherren in Oberkärnten, in: Carinthia I 125 (1935), S. 59–82, 218–246, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 06.10.2023), S. 232.
- 2Die Kärntner Geschichtsquellen 1300–1310, in: Hermann Wiessner (Hrsg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten, Bd. 7, 1961, S. 129.
- 3Woldron, Ronald und Christiane Wolfgang: Gmünd: Burg und Stadtbefestigung. Bauhistorische Untersuchung, 2011, Online: ark:/65325/r204vr, S. 149.
- 4Woldron, Ronald und Christiane Wolfgang: Gmünd: Burg und Stadtbefestigung. Bauhistorische Untersuchung, 2011, Online: ark:/65325/r204vr, S. 155.
- 5Woldron, Ronald und Christiane Wolfgang: Gmünd: Burg und Stadtbefestigung. Bauhistorische Untersuchung, 2011, Online: ark:/65325/r204vr, S. 161.
- 6Woldron, Ronald und Christiane Wolfgang: Gmünd: Burg und Stadtbefestigung. Bauhistorische Untersuchung, 2011, Online: ark:/65325/r204vr, S. 149.
- 7Broll, Georg: Aus Gmünds vergangenen Tagen. Erste Lieferung. Vorzeit bis 1500, Klagenfurt 1935, Online: ark:/65325/r20bwr, S. 20.
- 8Die Kärntner Geschichtsquellen 1335–1414, in: Hermann Wiessner (Hrsg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten, Bd. 10, Klagenfurt 1968, S. 43, No. 99.
- 9Fournier, August: Abt Johann von Viktring und sein Liber certarum historiarum. Ein Beitrag zur Quellenkunde deutscher Geschichte, Berlin 1875, Online: urn:nbn:de:bvb:12-bsb11315122-5, S. 129.
- 10von Jaksch, August: Eine Genealogie der kärntischen Spanheimer und der ursprüngliche Traditionscodex von St. Paul, in: Alfons Dopsch u. a. (Hrsg.): Mittheilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband, Bd. 6, S. 197–208, Innsbruck 1901, Online: ark:/13960/t6qz5hw1v, S. 199.
- 11Christalnick, Michael Gothard: Annales Carinthiae, Das ist Chronica Des Löblichen Ertzhertzogthumbs Kharndten, hrsg. v. Hieronymus Megiser, Leipzig 1612, Online: urn:nbn:de:bvb:12-bsb10934609-1, S. 36.
- 12von Valvasor, Johann Weikhard: Topographia archiducatus Carinthiae antiquae & modernae completa, Nürnberg 1688, Online: urn:nbn:de:bvb:12-bsb11055267-2, S. 61.
- 13Kohla, Franz Xaver u. a.: Kärntner Burgenkunde: Ergebnisse und Hinweise in Übersicht 1. Teil, Klagenfurt 1973, S. 297.
- 14Kordon, Frido: Sagen und ihre Stätten im Lieser- und Maltatal Kärntens: 2. Maltatal, in: Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins 68 (1937), S. 78–89, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 12.02.2023), S. 84.
- 15Broll, Georg: Aus Gmünds vergangenen Tagen. Erste Lieferung. Vorzeit bis 1500, Klagenfurt 1935, Online: ark:/65325/r20bwr, S. 20.
- 16Wilscher, Horst und Wilhelm Wadl (Hrsg.): Krems in Kärnten: Gemeindechronik, Klagenfurt 2010, S. 33.
- 17von Wretschko, Alfred: Zur Frage der Besetzung des erzbischöflichen Stuhles in Salzburg im Mittelalter, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 47 (1907), S. 189–302, Online: zobodat.at (besucht am 15.07.2023), S. 201.
- 18Pohl, Heinz-Dieter: Kärntner Ortsnamen, 2020, Online: commons.wikimedia.org, S. 78.
- 19Andreas von Regensburg, Sämtliche Werke, in: Georg Leidinger (Hrsg.): Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Bd. 1 (Neue Folge), München 1903, Online: ark:/13960/t9k365x4z, S. LXVf.
- 20Weiland, Ludwig: Annales Frisacenses. Continuatio [1348. 1384. 1492], in: Annales aevi Suevici (Supplementa tomorum XVI et XVII). Gesta saec. XII. XIII. (Supplementa tomorum XX-XXIII), hrsg. v. Georg Waitz, Monumenta Germaniae Historica Scriptores, Bd. 24, Hannover 1879, S. 67, Online: mgh.de (besucht am 17.02.2023).