Zeitereignisse im Lieser- und Maltatal

12. Jahrhundert

12/1
Hormayr legt „Crûskilach“ Urk. 12/c irrtümlich als den Klosterstandort in Slowenien fest,  1 im Urkundentext findet sich dazu aber nichts. 2 Milkowicz vermutet im genannten Dietmar einen Krainer Edlen, Klebel identifiziert diesen als Dietmar von Lungau und legt „Crûskilach“ nach Kreuschlach bei Gmünd. 3 4 Hormayr führt auch irrtümlich den 31.11. anstatt 31.10. an. 5
12/2
Das Kloster Millstatt hat schon vor 1122 bestanden, da der Papst es in Urk. 12/d erneut unter Schutz nimmt. Die Forschung geht von einer Gründung in den 1070er Jahren aus. 6
12/3
In der Literatur wird für die erste urkundliche Nennung der Burg Malta (Ödenfest) üblicherweise 1075–[0]1090 angegeben.  7 Die Urkunde wird meist nicht genannt, jedoch dürfte es sich wohl um Urk. 11/m handeln, in welcher der Edle Heimo dem Bistum Brixen ein Gut in Malta schenkt. Heimo dürfte ein Edelfreier im Dienste von Brixen gewesen sein, zumindest tritt er bei einigen Brixener Urkunden als Zeuge in Erscheinung. Obige Urkunde ist die einzige, die Heimo und Malta in Verbindung bringt. Er hat auch Besitz im Lurnfeld und in Südtirol. 8 Nirgends wird genannt, dass Heimo aus Malta gewesen wäre. In genannter Urkunde schenkt er ein „predium in quale loco Malantin“. Als Edler dürfte er einen Edelsitz gehabt haben, dieser muss aber nicht in Malta gewesen sein. Auch kann ein Gut (praedium) eine Burg haben wie z.B. Katsch im Murtal Urk. 11/c, muss aber nicht wie z.B. Kreuschlach Urk. 12/c. Eine Rückdatierung der Burg auf 1075–1090 wäre nur zulässig, wenn zwischen Walter von Malta Urk. 12/f und Heimo eine verwandtschaftliche Beziehung bestanden hätte. Tatsächlich schreibt Broll, dass Jaksch eine solche vermutet 9 und dieser listet Heimo auch unter den Herren von Malta 10. Ich habe aber bisher keine Belege dafür gefunden und daher den konservativen Ansatz gewählt und Walter von Malta als ersten Herren von Malta aufgefasst, welcher einen Edelsitz in Malta – wohl Ödenfest – besessen hat.
12/4
Nach Tomaschek scheint der Tausch von Gütern im Pinzgau gegen solche in Zelsach zwischen dem Kloster Millstatt und dem Domkapitel von Salzburg nicht zustande gekommen zu sein. 11
12/5
Broll gibt 1125 als erste Nennung von Nöring an, nennt allerdings die Urkunde nicht. 12
12/6
„Chemese“ Urk. 12/w als Standort einer Mühle könnte Krems(-brücke) sein. Im 15. Jahrhundert wird die (Inner-)krems jedenfalls als „Kemss“ Urk. 15/g bezeichnet.
12/7
Nach Heinz-Dieter Pohl kommt Zlatting von slowenisch „slatina“: Sauerbrunn, Mineralwasserquelle und nicht von slowenisch „zlato“: Gold. 13
12/8
Der in Urk. 12/z genannte Pfarrer Heinrich von Katsch wird von Jaksch, Klebel 14 und Moro als Pfarrer von St. Peter im Katschtal angesehen. Moro führt dazu folgende Begründung an: der Pfarrer beschenkt das Kloster Millstatt und Millstatt liegt nicht weit vom Katschtal entfernt; das Kloster Millstatt hat Güter im Katschtal, Urk. 12/bf es wäre möglich, dass auch dieser Besitz auf den Pfarrer zurückgeht, der das Kloster, wie in der Urkunde erwähnt, schon öfter beschenkt haben soll; außer St. Peter käme keine andere Pfarre im Katschtal in Betracht. 15 Es wäre nicht unplausibel in St. Peter im Katschtal eine Pfarre zu sehen. Parallelen mit Malta wären gegeben, dessen Kirche zwar 1223 noch als Kapelle bezeichnet wird, Urk. 13/f aber 1251 als Pfarre angesehen werden kann. Urk. 13/s Zusätzlich gab es sowohl in Malta als auch beim Katschberg ein Landgericht Urk. 13/fb und es ist wahrscheinlich, dass die Landgerichte in bedeutenderen Orten (mit Pfarren) eingerichtet wurden. Dagegen spricht nur, dass sonst von der Kirche kaum Urkunden überliefert sind. Sie wurde laut Bacher und Russwurm-Biró überhaupt erst 1351 urkundlich das erste Mal genannt. 16 Nun kann es natürlich sein, dass Urkunden verloren gingen und, dass durch die Bezeichnung mit „Katsch“, die Moro für St. Peter annimmt, 17 Verwechslungen mit dem steirischen Katsch aufgetreten sind.
12/9
Wadl gibt in der Carinthia I einen Überblick zur Geschichte der Burg Sommeregg. 18
12/10
Während Jaksch und Hauthaler „Chaͤtze superius“ Urk. 12/bf als Rauchenkatsch ansehen, vermutet Moro darin eine noch unentdeckte Burg bei St. Peter im Katschtal. 19 Ob die Unterscheidung in die Burg „Oberes Katsch“ und eine andere jetzt wegen der steirischen Burg Katsch oder einer anderen unentdeckten Burg notwendig wurde, ist nicht klar. Es hat allerdings jedenfalls zwei Burgen Katsch gegeben und mindestens eine davon dürfte jedenfalls im Lieser- oder Katschtal gelegen sein, da die anderen in der Urkunde erwähnten Orte sämtlich in der Umgebung zu finden sind. Die Burg Rauchenkatsch wurde damit direkt oder indirekt urkundlich erwähnt.

  • 1Zweiter Band, in: Joseph von Hormayr (Hrsg.): Kritisch-diplomatische Beyträge zur Geschichte Tirols im Mittelalter, Bd. 2, Wien 1803, Online: urn:nbn:de:bvb:12-bsb10009880-6, S. 85, No. XL.
  • 2vgl. Milkowicz, Wladimir: Die Klöster in Krain. Studien zur österreichischen Monasteriologie, in: Archiv für österreichische Geschichte 74 (1889), S. 261–486, Online: ark:/13960/t3xs69g3n, S. 288, Anm. 1.
  • 3Klebel, Ernst: Die Brixner Besitzungen in Kärnten, in: Carinthia I 123 (1933), S. 44–73, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 27.01.2024), S. 56.
  • 4Klebel, Ernst: Der Lungau. Historisch-politische Untersuchung, Salzburg 1960, S. 171f..
  • 5Zweiter Band, in: Joseph von Hormayr (Hrsg.): Kritisch-diplomatische Beyträge zur Geschichte Tirols im Mittelalter, Bd. 2, Wien 1803, Online: urn:nbn:de:bvb:12-bsb10009880-6, S. 85, No. XL.
  • 6Dopsch, Heinz: Adel und Kirche als gestaltende Kräfte in der frühen Geschichte des Südostalpenraumes, in: Carinthia I 166 (1976), S. 21–49, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 11.02.2023), S. 35.
  • 7vgl. Kärnten, in: Ernst Bacher und Gabriele Russwurm-Biró (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, 2001, S. 493.
  • 8Santifaller, Leo: Das Brixner Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung im Mittelalter, in: Schlern-Schriften. Veröffentlichungen zur Landeskunde von Südtirol. 7 (1924), Online: ark:/13960/t25b00v5z, S. 62.
  • 9Broll, Georg: Aus Gmünds vergangenen Tagen. Zweite Lieferung (1500–1600), Klagenfurt 1938, Online: ark:/65325/r20bz3, S. 215.
  • 10Die Kärntner Geschichtsquellen 1202–1269. Zweiter Teil 1263-1269, in: August von Jaksch (Hrsg.): Monumenta Historica Ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten, Bd. 4, Klagenfurt 1906, Online: ark:/13960/t7hq47z2j, S. 948.
  • 11Tomaschek, Johann: Die Legende vom Herzog Domitian, dem „ersten Gründer“ von Millstatt, in: Carinthia I 190 (2000), S. 143–164, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 11.02.2023), S. 150.
  • 12Broll, Georg: Aus Gmünds vergangenen Tagen. Erste Lieferung. Vorzeit bis 1500, Klagenfurt 1935, Online: ark:/65325/r20bwr, S. 17.
  • 13Pohl, Heinz-Dieter: Kärntner Ortsnamen, 2020, Online: commons.wikimedia.org, S. 110.
  • 14Klebel, Ernst: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. A. Das Chorbistum Maria-Saal und der salzburgische Anteil von Kärnten, in: Carinthia I 115 (1925), S. 1–47, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 20.05.2023), S. 43.
  • 15Moro, Gotbert: Zur Geschichte des Lieser- und Katschtales, in: Carinthia I 136 (1946), S. 176–197, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 11.02.2023), S. 193.
  • 16Kärnten, in: Ernst Bacher und Gabriele Russwurm-Biró (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, 2001, S. 812.
  • 17Moro, Gotbert: Zur Geschichte des Lieser- und Katschtales, in: Carinthia I 136 (1946), S. 176–197, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 11.02.2023), S. 193.
  • 18Wadl, Wilhelm: Geschichte der Burg und Herrschaft Sommeregg (Ein Überblick), in: Carinthia I 179 (1989), S. 153–168, Online: anno.onb.ac.at.
  • 19Moro, Gotbert: Zur Geschichte des Lieser- und Katschtales, in: Carinthia I 136 (1946), S. 176–197, Online: anno.onb.ac.at (besucht am 11.02.2023), S. 184–193.